dersven • 19. Februar 2026

Der Kapitalismus ist tot. Es lebe der Kapitalismus.

Auf jeden Fall solange es nichts Besseres gibt.


Kaum eine Straße symbolisiert die Sehnsucht nach Freiheit wie die Route 66.  Seit 1926 verband sie Chicago mit Los Angeles durch acht Bundesstaaten hindurch. In den 1930er-Jahren wurde sie zur Fluchtroute der vom Staubsturm vertriebenen Farmer. Sie war Asphalt gewordene Hoffnung – eine Strasse nach Westen, dorthin, wo die Sonne unterging und das Versprechen eines besseren Lebens wartete.

Der Mythos der Route 66 speist sich aus Bewegung, aus Antrieb,  aus dem Brummen alter Motoren  und   aus Neonlichtern in der Dämmerung, aus Motels, Diners und endlosen Horizonten. In Literatur und Musik wurde sie zur „Mother Road“, etwa in "The Grapes of Wrath" von John Steinbeck, das die Straße als Symbol existenzieller Suche deutete. Und ja, in seinem Buch finden die Suchenden in Kalifornien selten ein Paradies vor, sondern eine Hölle der Ausbeutung und Erniedrigung. Auch wenn viele konservative Politiker, Kirchenvertreter und Unternehmer den Beschreibung der Zustände leugneten, wurde es zu einem Bestseller und 1940 sogar verfilmt.  Man kann es zynisch oder einfach nur realistisch sehen, auf jeden Fall verdiente John Steinbeck mit seinem Buch dank enormer Verkaufszahlen ein Vermögen.  Das Buch war das meistverkaufte Werk des Jahres 1939, erhielt 1940 den Pulitzer-Preis  und wurde zudem erfolgreich verfilmt, was Steinbecks finanziellen Erfolg  durch Lizenzgebühren und Tantiemen erheblich steigerte und ihn zum Millionär machte.

Auch der Song
„Get Your Kicks on Route 66“ von Nat King Cole feierte die Strasse als Versprechen von Leichtigkeit und Abenteuer.  So wuchs sie über ihre geografische Funktion hinaus und wurde zu einer Idee: Freiheit bedeutete, ins Auto zu steigen und einfach loszufahren.


Doch gerade diese Idee geriet mit dem Fortschritt ins Wanken. Das moderne Interstate-System, schneller, geradliniger, effizienter, machte die kurvige, durch Ortschaften führende Route wirtschaftlich entbehrlich. 1985 wurde sie offiziell aus dem Fernstraßennetz gestrichen. Mit ihrem Ende verschwand mehr als nur eine Verkehrsader; viele kleine Orte verloren Kundschaft, Tankstellen schlossen, Neonlichter erloschen. Der Traum von Geschwindigkeit und Wachstum hatte den Traum vom Unterwegssein überholt.


Und doch liegt in diesem Ende eine
paradoxe Vollendung des Mythos.  Als funktionale Straße mag die Route 66 verschwunden sein, als kulturelles Symbol jedoch lebt sie fort – vielleicht stärker als zuvor. Gerade weil sie nicht mehr notwendig ist, kann sie heute als Denkmal einer Epoche  betrachtet werden, als nostalgische Erinnerung an ein Amerika der Möglichkeiten. Ihr Ende markiert somit keinen endgültigen Verlust, sondern die Verwandlung von Asphalt in Erzählung.
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Der Abgesang auf den Kapitalismus ist aktuell bei vielen Zeitgenossen besonders in. Ich frage jedoch: Ist der Kapitalismus nichts anderes als ein ständiger Fortschritt mit zahlreichen, systemimmanenten Enden?


Vom warmen Sofa aus, am reichlich gedeckten Tisch wird dieser Tage wieder sein Ende  in grossen Lettern an die imaginative Wand gemalt. Ausgerechnet von einer Generation ,die am meisten von ihm profitiert hat. Oft schwingt dann sogar eine gewisse Schadenfreude mit. Fragt man seine wortgewaltigen Totengräber jedoch  nach einem alternativen, besseren Konzept, einer neuen überlegeneren Idee, die  ein besseres Zusammenlebens der Menschen ermöglicht, dann herrscht in der Regel grosses Schweigen.


Kommunismus und Sozialismus erfüllen diesen Zweck definitiv nicht. Der ewige Selbstbetrug  der angeblich besseren linken Gesellschaft hat dennoch wieder Hochkonjunktur.  Ich sitze hingegen lieber auf einer Harley und höre "Get Your Kicks on Route 66"  als mit Heidi Reichinneck und Genossen die Internationale zu singen. Wer kennt sie nicht, diese historische Hymne der kommunistischen, sozialistischen, linksrevolutionären und anarchistischen Gruppen und Parteien und ihren bekannten Refrain: 

„Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten
Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!
Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.“

Einmal an der Macht, ist das Lied der linken Genossen stets das gleiche.
Sie pfeifen auf ihren Gesang von gestern und werden die grössten Verächter der von ihnen besungenen Menschenrechte. Pluralismus, Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung passen nun mal nicht zu denen, die es besser wissen, als Du und ich. Diejenigen, die genau wissen, wie wir alle besser miteinander leben können, machen Dich zu ihrem Sklaven, wenn sie das Sagen haben.


In der 3. Strophe heisst es:

„In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute.
wir sind die stärkste der Partei´n.
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt wird unser sein;
unser Blut sei nicht mehr der Raben
und der nächt´gen Geier Fraß!
Erst wenn wir sie vertrieben haben,
dann scheint die Sonn' ohn' Unterlass!“


Klingt nett. Aber wer im süssen Gesang dieser besseren Welten-Herrscher mitmarschiert, dessen Blut ist nur der Frass der neuen sozialistischen Herrscherklasse. Der Komponisten und Dirigenten, die den freien Geist verachten und mit wohlklingenden Texten und Melodien, den neuen Takt zur Versklavung der Menschheit angeben. Die Ideologie der Selbstgerechten kennt kein Erbarmen. Denn sie haben nun die Freiheit, Dir Deine Freiheit zu nehmen.

Im Kommunismus und Sozialismus bleibt Dir nur übrig von der Route66 zu träumen,
aber Du wirst sie nie befahren.


Die Geschichte hat uns gelehrt. Während Linke von einer besseren und freieren Welt singen, ist bereits ihr Weg an die Macht von einer massiven Verachtung jeglicher Menschenrechte geprägt. Humanistische Werte sind ihnen dabei besonders im Wege.


So frage ich mich. Was also sollte nach dem Ende des Kapitalismus
besseres auf uns Menschen zukommen? Warum diese Schadenfreude bei so vielen? Schaut euch doch noch mal ganz genau in eurem Leben um. Ja. Die Welt ist nie perfekt. Aber die Gesellschaft mag noch so egoistisch sein, sie ist vom Egoismus des Einzelnen angetrieben  so viel besser, als jede kollektivistischen Heilsversprechen. Die Welt, die euch die guten Menschen einreden wollen, gibt es nicht.


Provokativ gesagt. Was gibt es Langweiligeres als die Forderung nach Gleichheit? Was gibt es Bedrohlicheres als den Kampf um Solidarität? Was gibt es Falscheres als den Ruf nach Gerechtigkeit? Ersetze Gleichheit durch Selbstverwirklichung, Solidarität durch Mitgefühl und Gerechtigkeit durch Verantwortung und engagiere Dich für eine Ordnung, die dem Egoismus des Einzelnen ausreichend Freiraum gibt und ihn beim Austoben sanft domestiziert.  


Die aber, die Dir die Gleichheit predigen, fahren meist als träge Nichtsnutze in Luxuskarosserien, die sie selbst nicht bezahlt haben und leben mit ihren Spitzengehältern, die sie aus Deiner Arbeit und Deinem Lohn generieren, meist in besseren Gegenden., die Du Dir nicht leisten kannst.


Die, die von Dir Solidarität einfordern, sind meist nur grosszügig im Geben, was sie anderen Nehmen. Und sie selbst haben beim Teilen in der Regel wenig mitzuteilen. Und die, die Dir von Gerechtigkeit erzählen, nehmen sich, einmal an der Macht, ganz besondere Rechte heraus, die sie vor Deiner Kritik und Deinem Urteil bewahren.


Der Kapitalismus mag nicht perfekt sein. Er gibt es auch nicht vor. Er mag seinem Ende entgegen gehen. Aber wenigstens tut er es, ohne euch sozialistische Werte vorzuheucheln.

Ich bin gespannt,
was seine lautstarken Kritiker am Ende vorzuweisen haben. Ich bin gespannt auf ihre neuen Wege. Bis dahin fahre ich lieber auf  einer alten Route66 entlang, danke den Kapitalisten für meine bisherigen Errungenschaften in ihrem System und lasse mich überraschen wie hart mein eigenes Ende ausfallen mag.



   



 


 







 

 



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